„Diese Hochtour steht unserer Pyrenäenrundtour in nichts nach“, bewertete Sepp Lurz die viertägige Lagorai-Panorama Wanderung. Die Route führt entlang der Verteidigungslinie zwischen Italien und Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg, meist auf Kriegswegen, vorbei an Befestigungsanlagen, über Wiesen, bewirtschaftete Almen, durch das schöne Val Campelle, durch das naturbelassenen Val Orsera, unzähligen Bergsee passierend, bei einem atemberaubenden Panorama auf das Lagorai-Gebirge und Cima d’Asta, den höchsten Berg der Region. Sepp erweiterte die Original-Panoramarunde mit der Übernachtung auf der Brentari Cima d´Asta Hütte und der Besteigung des 2848 hohen Gipfels. Die Lagorai-Kette gehört nicht zu den Dolomiten, da der Fels hier nicht aus Dolomit besteht, sondern im westlichen Teil der Runde aus Porphyr und im Cima d´Asta Gebiet aus Granit.
An einem Sonntag, Angang Juli machten sich sechs Bergfreunde auf die Reise in Val di Fiemme, ins Hotel Latemar, im Ort Castello Molina di Fiemme. Am nächsten Morgen fuhr man dann noch eine halbe Stunde, in einer abenteuerlichen Fahrt, über die sehr schmale Passstraße auf den 2045 Meter hohen Mangen-Pass, zum Ausgangspunkt der Rundtour. Die erste Etappe führte die Wanderer in moderatem auf und ab vorbei am Monte Ziolera zum Montalon See und zur Montalon Alm. Dann abwärts ins Tal Val Campelle wo am Rifugio SAT Lagorai eine Kaffeepause eingelegt wurde. Von hier gings nochmal dreihundert Höhenmeter rauf auf das wunderschöne Caldenave-Plateau mit dem gleichnamigen Rifugio. Häufig wanderte man auf dieser Strecke über Wege aus dem Ersten Weltkrieg mit alten Stellungen, eindrucksvolle Hochgebirgslandschaften, grüne Weiden, und im tieferen Val Campelle durch Kiefern und Tannenwälder. Heute wurden in gut sieben Stunden fünfzehn Kilometer und 940 Höhenmeter absolviert.
Die zweite Etappe zum Rifugio Brentari, auf 2473 Meter gelegen, sollte mit 1250 Höhenmetern und elf Kilometern die anstrengendste werden. Vormittags wanderte man zuerst entspannt durch das wunderschöne Caldenave Hochtal mit seinem mäanderförmigen Bergbach und lichten grünen Wäldern, dann über unschwieriges Blockgelände zur Scharte, Forcella Orsera. Von hier hatte man ein auf 2300 Meter einen wunderbaren Ausblick zu den sattgrünen Tälern und wilden, zackigen Bergketten. Wiederum bewegte man sich in einem moderaten auf und ab, entlang der angelegten Wege des ersten Weltkrieges. Weiter wanderten, wir zum Laghetto Forcella Magna, nahmen ein erfrischendes Fußbad und anschließend gings rauf zur gleichnamigen Scharte. Zur Hütte wurde es dann am Nachmittag nochmals herausfordernd. Erst ein steiler Abstieg zum heute tiefsten Punk,t auf 2000 Meter, und dann in der sonnigen Südseite über raue Granitplatten 470 Höhenmeter aufwärts zum Rifugio. Nach der acht stündigen Etappe genoss man Kaffee, Kuchen und erfrischende Kaltgetränke am Lago Cima d´Asta, und dem morgigen Gipfel im Hintergrund.
Am dritten Tag starteten wir um acht Uhr morgens den Normalweg auf den höchsten Gipfel der Gebirgskette, den Cima d´Asta. Meist schöne Felsstufen und ein leicht zu bewältigender Klettersteig führte die Wanderer erlebnisreich über gut 400 Höhenmeter zum Gipfel. Vom höchsten Punkt wurde man mit einer grandiosen Aussicht auf alle bekannten Dolomitengipfel, der Brenta- und Ortlergruppe sowie der Ötztaler Alpen belohnt. Da wir kurz vor Mittag wieder an der Hütte waren, stärkten wir uns noch mit einer Suppe bevor der Weiterweg zum heutigen Übernachtungsziel, der Alm, Rifugio Malga Conseria startete. Noch einmal waren 350 Höhenmeter über den Passo Socede und kleinere Gegenanstiege zu bewältigen ehe es nur mehr abwärts zum heutigen Nachtquartier ging. Viele kleine Seen, teils mit Seegras bewachsen, Wollgras, Hochmoore unzählige Blumen, Kräuter und eine lieblich kopierte Hochgebirgslandschaft ließ die knapp achtstündige Wanderzeit wie im Flug vergehen. Eine fauchende Schlange und ein Soldatenfriedhof, kurz vor der Hütte rundeten den erlebnisreichen Tag ab.
Noch einmal eine liebliche Naturlandschaft sonders gleichen sollte der letzte Abschnitt zurück zum Manghen Pass bringen. Die sechs Stunden Wanderzeit, 800 Höhenmeter aufwärts, über vierzehn Kilometer Distanz, zum Ausklang der viertägigen Runde, konnten die Bergfreunde in vollen Zügen genießen da die Wege ohne nennenswerte Schwierigkeiten waren. Zurück am Pass, im Rifugio Baita Manghen schwärmte man beim Kaffeetrinken ein letztes Mal von der grandiosen, vielfältigen Wanderrunde mit den vielen Naturschönheiten und der Einsamkeit in der man unterwegs war. Ein echter Geheimtipp!
Streckendaten der vier Etappen:
Gesamtgehzeit: 28 Stunden
Gesamtdistanz: 51 Kilometer
Gesamthöhenmeter aufwärts: 3785